Fragenkatalog

Was ist unter der Bezeichnung "auf dem Gebiet der von den Bundes- und Landesbehörden verwalteten Steuern" (§ 36 Abs. 3 StBerG) zu verstehen?


Eine Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- und Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern i. S. des § 36 Abs. 3 StBerG ist gegeben, wenn Aufgaben wahrgenommen werden, die den Angehörigen der steuerberatenden Berufen vorbehalten sind. Die für Bewerber der Steuerberaterprüfung nachzuweisende praktische Tätigkeit muss sich tatsächlich auf den Kernbereich der Berufstätigkeit des späteren Steuerberaters beziehen. Tätigkeiten auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft oder als Buchhalter erfüllen nicht die Zulassungsvoraussetzungen. Der Bundesfinanzhof hat in seiner Rechtsprechung einige Tätigkeiten aus den Vorbehaltsaufgaben des Steuerberaters genannt: Einrichtung der Buchführung (Finanz- und Lohnbuchhaltung), Erstellung von Umsatzsteuervoranmeldungen, Vorbereitung und Mitwirkung bei Jahresabschlussarbeiten und die Erstellung von Steuererklärungen. Dagegen fallen Tätigkeiten wie die Durchführung mechanischer Arbeitsgänge bei der Führung von Büchern und Aufzeichnungen, das Buchen der laufenden Geschäftsvorfälle (einschließlich der Kontierung von Belegen) sowie das Fertigen der Lohnsteueranmeldungen nicht in den Kernbereich eines Steuerberaters und dürfen daher nicht in die vom Gesetzgeber einschlägig geforderte Praxiszeit von wöchentlich mindestens 16 Wochenstunden einbezogen werden.

Werden freie Tage, die der Arbeitgeber außerhalb des tariflich zustehenden Urlaubs (z. B. zur Vorbereitung auf die Steuerberater- prüfung) gewährt, auf die praktischen Tätigkeiten angerechnet?

Das Ansparen des tariflich zustehenden Jahresurlaubs im Prüfungsjahr und aus dem vorangegangenen Jahr zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung (Ganztagslehrgänge) ist unschädlich für den Zeitraum der erforderlichen praktischen Tätigkeit. Sonstige vom Arbeitgeber eingeräumte Befreiungen von der Arbeitszeit oder Zeitausgleich für geleistete Überstunden bzw. Umwandlung von Bonusansprüchen in Zeitguthaben gelten als schädliche Unterbrechung. Nachträglich festgestellte Anrechnungen von unzutreffenden Praxiszeiten führen gem. § 39a StBerG zur Rücknahme der Entscheidung über die Zulassung und der Prüfungsentscheidung sowie der Bestellung als Steuerberater.

Wie kommt die 16 Wochenstundenregelung bei selbstständig Tätigen zur Anwendung?

Bewerber mit abgeschlossener Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf, die als "freie Mitarbeiter" zur unbeschränkten Hilfeleistung in Steuersachen eigentlich nicht berechtigt sind und damit die für die Zulassung relevanten Tätigkeiten nicht ausüben dürften, können diese gesetzliche Beschränkung nur unter der Voraussetzung umgehen, indem sie ihre Tätigkeiten gegenüber Mandanten weder eigenverantwortlich noch weisungsunabhängig ausüben. Diese Weisungsgebundenheit ermöglicht es jedoch den "Auftraggebern" der "freien Mitarbeiter" zu bestätigen, in welchem Zeitraum sie Aufgaben, die den steuerberatenden Berufen vorbehalten sind, in einem Umfang von 16 Wochenstunden ausgeübt haben. Sofern der Bewerber für mehrere Auftraggeber tätig war, ist eine tägliche Stundenaufstellung aus allen Auftragsverhältnissen vorzulegen. Zur Anrechnung kommen nur ungeteilte Wochen in denen die Mindestanforderung von 16 Stunden praktischer Tätigkeiten, verteilt auf mehrere Tage, erreicht wird. Eine Durchschnittsberechnung bezogen auf Monate oder Jahre ist ausgeschlossen.

Ab welchem Zeitpunkt kann die praktische Tätigkeit frühestens beginnen?

Die nach § 36 StBerG geforderte berufspraktische Tätigkeit kann frühestens mit dem Zeitpunkt beginnen, mit dem das in § 36 Abs. 1 StBerG vorgeschriebene Studium bzw. die in § 36 Abs. 2. StBerG vorgeschriebene Ausbildung tatsächlich erfolgreich abgeschlossen ist. Tätigkeiten, die vor oder während dem Studium ausgeübt werden, sind nicht anrechenbar.

Beendigung Studium
Gibt es einen Vordruck für die Bestätigung des Arbeitgebers für die nachzuweisende praktische Tätigkeit bzw. wie soll die Bestätigung aussehen?

Die Bestätigung des Arbeitgebers erfolgt formlos. Ein amtlicher Vordruck ist dafür nicht vorgesehen.
Gleichwohl sind Ansprüche an den Inhalt dieser Bestätigung zu stellen um die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen nach § 36 Steuerberatungsgesetz überprüfen zu können.

Formulierungsvorschlag:
Herr/Frau .... ist/war bei mir/uns vom ... bis ... als ... mit einer regelmäßigen Wochenarbeitszeit von .... Stunden nicht/selbstständig beschäftigt. 
Tätigkeiten die den Kernbereich der Berufstätigkeit eines Steuerberaters ausmachen, wie 
§ Erstellung von Umsatzsteuervoranmeldungen 
§ Vorbereitung und Mitwirkung bei Jahresabschlussarbeiten 
§ Erstellung von Steuererklärungen 
§ Einrichtung der Buchführung, 
wurden in einem Umfang von ... Wochenstunden ausgeführt. 
Weitere Tätigkeiten: ........................
Die praktische Tätigkeit war vom ... bis .... *1 wegen Krankheit unterbrochen.
Die praktische Tätigkeit war vom ... bis .... wegen ... *2 (z. B. Fortbildungslehrgang; Vorbereitung zur Steuerberaterprüfung) unterbrochen.

*1 anzugeben sind nur Abwesenheiten von länger als einer Woche
*2 nicht anzugeben ist der tariflich zustehende Jahresurlaub, dagegen jedoch jede Art von sonstiger Beurlaubung 
Diesen Formulierungsvorschlag bieten wir in unserem Downloadbereich als PDF-Datei an.

Wird ein Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie als Hochschulstudium nach § 36 Abs. 1 StBerG anerkannt?

Ein Studium an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) ist kein staatlich anerkanntes Hochschulstudium und erfüllt deshalb nicht die Voraussetzung für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung nach §36 Abs. 1 StBerG. Allerdings kann das Studium an der VWA als andere gleichwertige Vorbildung im Sinne von § 36 Abs. 2 Nr. 1 StBerG anerkannt werden.

Wo kann ich beglaubigte Abschriften der Zeugnisse und Bescheinigungen erstellen lassen?

Mit dem Antrag auf Zulassung, auf Erteilung einer Verbindlichen Auskunft oder auf Befreiung von der Steuerberaterprüfung einzureichende Unterlagen müssen gem. § 4 Abs. 3 DVStB in beglaubigter Abschrift beigefügt werden. Eine beglaubigte Abschrift erhalten Sie zum einen bei der Behörde, die die Originalurkunde ausgestellt hat. Zum anderen sind gem. Art. 33 Abs. 1 BayVwVfG i.V.m. § 1 BeglV weitere Behörden befugt, Kopien zu beglaubigen bzw. beglaubigte Abschriften zu erstellen. Es handelt sich hierbei um die Behörden des Freistaates Bayern, die Gemeinden und Gemeindeverbände sowie die sonstigen der Aufsicht des Freistaats Bayern unterstehenden juristischen Personen des öffentlichen Rechts. Ausgenommen sind lediglich Kirchen, Religionsgemein- schaften sowie weltanschauliche Gemeinschaften und der Bayerische Rundfunk.

Neben diesen juristischen Personen des öffentlichen Rechts können selbstverständlich auch Notare die erforderlichen Nachweise beglaubigen (vgl. § 39 BeurkG). Um Kosten zu sparen, muss nicht jede einzelne Seite beglaubigt werden, es können auch sämtliche Nachweise zusammengefasst beglaubigt werden.

Beglaubigungen von Fachangestelltenbriefen und Steuerfachwirtbriefen notwendig?

Wenn Sie bei der Steuerberaterkammer München im Jahr 2005 oder später die Steuerfachangestelltenprüfung bestanden haben, müssen Sie diese Prüfungsurkunde nicht in beglaubigter Abschrift einreichen. 
Ebenso wenig müssen Sie Zeugnisse der Steuerberaterkammer München über die Steuerfachwirtprüfung ab dem Prüfungsjahr 2005 (mündliche Prüfung 2006) beglaubigen lassen. 
Aus EDV- und Archivierungsgründen müssen jedoch ältere Zeugnisse in beglaubigter Abschrift eingereicht werden.

Stillen während der schriftlichen Prüfung?

Das Stillen des Kindes im Prüfungssaal ist nicht möglich, da die übrigen Kandidaten abgelenkt würden. Sie können jedoch in einem Nebenraum die Milch abpumpen oder stillen. Die hierfür benötigen Zeiten können nicht ausgeglichen werden.

Ich habe mein Hand überbeansprucht, kann ich eine Prüfungserleichterung bekommen?

Eine Prüfungserleichterung kann nach § 18 Abs. 3 Satz 1 DVStB nur körperbehinderten Personen für die Fertigung der Aufsichtsarbeiten Prüfungserleichterungen gewährt werden. Bei Sehnenscheidenentzündung, Sportverletzung, Unfall oder Krankheit etc. liegt keine Körperbehinderung im Sinne des Gesetzes vor.

Die Definition der Behinderung findet sich in § 2 Abs. 1 SGB IX. Danach sind Menschen behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtig ist.

Eine vorübergehende Krankheit reicht daher nicht aus, Prüfungserleichterung zu gewähren. Der Kandidat bzw. die Kandidatin muss in diesen Fällen selbst entscheiden, ob die Teilnahme an der Prüfung unter diesen für ihn aus persönlichen Gründen erschwerten Bedingungen sinnvoll ist.